Browsing by Person "Scheufele, Bertram"
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Publication Politische Polarisierung und Fragmentierung im Lichte sozialer MedienEine kritische Bestandsaufnahme des Forschungsstandes
(2025) Jost, Arietta; Scheufele, BertramWo steht die sozialwissenschaftliche Forschung zu politischer Polarisierung und Fragmentierung im Lichte sozialer Medien? Dieser Frage gehen die beiden Autoren nach, indem sie eine propositionale bzw. thematische Meta-Analyse durchführten. Dazu erfassten sie, (1) wie Journalbeiträge die beiden Konstrukte theoretisch konzipieren, (2) welche Themen, Länder und Medien sie betrachten und (3) welche methodische Vorgehensweise sie wählen, um die beiden Konstrukte empirisch zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass politische Polarisierung und Fragmentierung selten konkret definiert werden. Im Fokus steht vielfach Twitter, aber auch die sozialen Medien generell, wobei meist der sogenannte globale Norden betrachtet wird. Methodisch dominieren Querschnittsbetrachtungen und Web-Scraping. Diese Schwerpunkte und Defizite bisheriger Forschung münden abschließend in Empfehlungen für künftige Forschung.Publication Der Sleeper EffektTheoriekritik und der Versuch eines Nachweises
(2018) Lindemann, Ann-Kathrin; Scheufele, BertramThe sleeper effect was first described by Hovland, Lumsdaine and Sheffield (1949) in the 1940s. In the study, the influence of a propaganda movie on the attitudes of American soldiers seemed to grow over time: five days after watching the movie, the soldiers were less likely to agree with the movies conclusions than nine weeks later, when they showed a significant attitude change in line with the movies narrative. Consequently, the sleeper effect was defined as a persuasive media effect gaining strength with the passage of time. Despite its long research history, the origin of the sleeper effect is still undetermined (Kumkale & Albarracín, 2004). Therefore, one of the main objectives of this study is an in-depth review of the existing research literature regarding the underlying mechanisms which might cause the effect. Once these basic mechanisms are identified, the second objective is to test these principles in an experimental setting. The present study shows, that neither the order of presentation of the experimental stimuli, nor the extent of pre-existing attitudes have any influence on the sleeper effect - first and foremost, because the sleeper effect failed to occur in this experiment. Therefore, the question on how the sleeper effect is formed remains unsolved.Publication Straßenzeitungen in Deutschland – ein Medium im Spannungsfeld zwischen normativem Anspruch und publizistischem Erfolg(2025) Hummel, Gerrit; Scheufele, BertramStraßenzeitungen sind journalistische Produkte, die in Form von Zeitungen oder Magazinen auf den Straßen in unseren Städten überwiegend von obdach- oder wohnungslosen Menschen, aber auch Menschen, die in Armut leben, verkauft werden (vgl. Kulke, 2015, S.10). Der Verkauf dieser Zeitungen soll den Betroffenen helfen, sich ein kleines Zubrot zu verdienen. Neben diesem Verdienst stellen Straßenzeitungsprojekte auch ein Angebot an sozialarbeiterischer Betreuung zur Verfügung. Durch den Verkauf der Zeitungen und den Kontakt mit den Kunden, aber auch durch die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Mitarbeitern im Straßenzeitungsprojekt, kann der Betroffene verschiedene Arten des Empowerments (ökonomisch, sozial, psychologisch und politisch) erfahren (vgl. Magallanes-Blanco & Pérez-Bermúdez, 2009). Dieses Empowerment soll ihn befähigen, sein Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen und sich selbst als Teil der Gesellschaft in diese hinein zu reintegrieren (vgl. Bode, 2021, S.384). Die Straßenzeitungen – also die journalistischen Produkte, die auf den Straßen verkauft werden – spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie werden in den Medienorganisationen, genannt Straßenzeitungsprojekte, unter besonderen Bedingungen produziert. Straßenzeitungsprojekte verfügen über alternative Organisationsstrukturen, die Medienmacher haben oft eine andere Wahrnehmung und Rollenvorstellung als klassische Journalisten und es gibt andere Arbeitsroutinen als in den etablierten Mainstream-Medien (vgl. Scheufele & Schieb, 2014, S.31-42; oder für alternative Medien Bailey et al., 2008, S.19; Kenix, 2008). Von besonderer Bedeutung sind die Medieninhalte der Straßenzeitungen, die das Leben, die Perspektiven und Erfahrungen der Betroffenen wiedergeben sollen (vgl. Howley, 2003, S.280-281; Scheufele & Schieb, 2014, S.44). So kann auf ihre Situation und ihre Bedürfnisse hingewiesen werden und das Medium kann in die Mitte der Gesellschaft hinein seine Wirkung entfalten (vgl. Howley, 2003, S.283). In dieser Arbeit steht die Genese der Medieninhalte von Straßenzeitungen im Vordergrund. Dabei untersuche ich, ob unterschiedliche Eigenschaften der Organisations-form, der Medienmacher und der Arbeitsroutinen Auswirkungen auf die publizierten Medieninhalte haben. Die Theorie meiner Arbeit besteht einerseits aus Ansätzen und Theorien zur Forschung von alternativen Medien und andererseits aus einem international stark zitierten und beforschten Gatekeeping-Ansatz, der Hierarchie der Einflüsse. Letztere stellt für mein Forschungsvorhaben eine verbindende theoretische Klammer zwischen den einzelnen Untersuchungsebenen dar. Die theoretischen Grundlagen zu alternativen Medien dienen mir dazu, die einzelnen beobachteten Eigenschaften auf dem Spannungsfeld zwischen alternativen und Mainstream-Medien zu verorten. Diese Kontrastfolie dient mir bei der Einordnung der Befunde als empirischer Kompass und hilft mir aufzuzeigen, wie stark die charakteristischen Merkmale einzelner Straßenzeitungsprojekte dem Ideal eines alternativen Mediums entsprechen. Für meine Untersuchung habe ich 3 Teilstudien mit drei getrennten Erhebungen durchgeführt. Zum einen habe ich 25 Vertreter von Straßenzeitungen in Deutschland interviewt und im Anschluss eine qualitative Inhaltsanalyse am Interviewmaterial durchgeführt. Dabei wurden die Bereiche Medienmacher, Arbeitsroutinen und Organisation charakterisiert und vor dem Spannungsfeld zwischen alter-nativen Medien und Mainstream-Medien verortet. Vor dieser qualitativen Arbeit habe ich eine kurze Onlineumfrage durchgeführt, um Kerncharakteristika (zum Beispiel: Periodizität, Auflagenstärke, Verbreitungsgebiet) der Straßenzeitungen zu erheben. In einer dritten Erhebung wurden in einer quantitativen Inhaltsanalyse die Ausgaben des letzten Jahres der Straßenzeitungen erfasst. Der Fokus lag dabei insbesondere auf den alternativen Eigenschaften der Medieninhalte. In den Analysen werden zuerst die Befunde für die jeweiligen Bereiche vorgestellt und in Teilen bereits in bivariaten Verfahren besprochen. Abschließend habe ich mit Hilfe der Qualitative Comparative Analysis (QCA) alle Bereiche in einer Between-Methods-Triangulation zusammengeführt und konnte so analysieren, welche Bedingungen für das Zustandekommen von welchen Medieninhalten von Bedeutung sind. Die Analysen bestätigen die Vermutungen: Je alternativer ein Straßenzeitungsprojekt in seiner Grundausrichtung in den Bereichen Medienmacher, Routinen und Organisation ist, umso alternativer werden auch die Medieninhalte. Hierbei scheint vor allem der Bereich der Arbeitsroutinen besonders wichtig und einflussreich zu sein. Meine Dissertation gehört im Hinblick auf die eingenommene Mehrebenen-Logik im Bereich der Gatekeeping-Forschung zu einer der wenigen existierenden Studien, die mehr als zwei Ebenen inhaltlich und methodisch sinnvoll miteinander verknüpft und die Genese von Medieninhalten erklärt. Weiterhin schafft es meine Studie, die Leerstelle der Forschung zu Straßenzeitungen in Deutschland (vgl. Bode, 2021, S.371; Scheufele & Schieb, 2014, S.32) durch Aufarbeitung eines umfangreichen Samples zu füllen.Publication Verkehrssicherheitskommunikation in Social MediaEinsatz von Influencerinnen in Kommunikationskampagnen zur Förderung der Helmnutzung bei jungen Radfahrerinnen
(2025) Kaup, Stefanie; Scheufele, BertramIn der Adoleszenz entscheiden sich viele junge Radfahrerinnen aus optischen und sozialen Gründen gegen das Tragen von Fahrradhelmen. Vor dem Hintergrund der Schutzwirkung von Helmen beim Radfahren stellt sich in der Verkehrssicherheitsarbeit die Frage, wie junge Frauen mit Kampagnen von der Helmnutzung überzeugt werden können. Dieser Fragestellung nimmt sich die vorliegende Forschungsarbeit an, die drei Teile umfasst. In der Forschung und Praxis besteht allgemeiner Konsens darüber, dass Kampagnen erfolgreicher sind, wenn sie inhaltlich und strategisch an der Lebensrealität der Zielgruppe ausgerichtet werden. Die Zielgruppe der jungen Radfahrerinnen steht daher im ersten Teil dieser Dissertation im Fokus. Ausgehend von Kampagnenmodellen werden die Charakteristika und Mediennutzungspraktiken junger Frauen sowie Faktoren, die deren Helmnutzung beeinflussen, dargestellt. Dabei wird das Potenzial von Influencerinnen erkennbar, die Helmnutzung junger Frauen durch Präventionsbotschaften in Social Media zu beeinflussen. Influencerinnen sind Social-Media-Nutzerinnen, die nicht nur erstrebenswerte Ideale für ihre Followerinnen verkörpern, sondern auch eine soziale Nähe zu diesen aufweisen. Dadurch geben sie jungen Frauen besonders in der Adoleszenz Orientierung in Trend- und Lebensfragen. Ziel des zweiten Teils dieser Forschungsarbeit ist es, aus einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive abzuschätzen, inwieweit Influencerinnen Präventionsbotschaften zur Helmnutzung auf Instagram erfolgreich jungen Radfahrerinnen vermitteln können. Um dieses Forschungsanliegen zu klären, werden drei Studien durchgeführt. Diese untersuchen, inwieweit Präventionsbotschaften zur Helmnutzung, die von Influencerinnen kommuniziert werden, von der Zielgruppe wahrgenommen, sowie als relevant und als glaubwürdig eingestuft werden. Die erste Studie ermittelt mithilfe eines Mixed Methods-Ansatzes, wie junge Frauen Bilder einer Influencerin mit Fahrradhelm auf Instagram wahrnehmen, bewerten und interpretieren. Als Grundlage für die Aufmerksamkeitszuwendung werden Bildgestaltungsstile und -elemente (Bottom-Up-Faktoren) sowie soziale Vergleiche (Top-Down-Faktoren) betrachtet. Im Eyetracking zeigt sich, dass inszenierte Darstellungen der Influencerin etwas aufmerksamkeitsstärker als realitätsnahe Fotos sind. Für die inhaltliche Beschäftigung mit den implizit vermittelten Botschaften zur Helmnutzung ist allerdings nicht nur eine professionelle und ästhetische Bildgestaltung wichtig. Im Rahmen der Leitfadeninterviews wird deutlich, dass Bilder durch realitätsnahe Situationen Identifikationsmöglichkeiten bieten, die dazu beitragen, dass Rezipientinnen soziale Vergleiche anstellen und ihr eigenes Verhalten reflektieren. Hierbei ist die wahrgenommene Glaubwürdigkeit der Influencerin wichtig. Vermuten die Rezipientinnen in den Darstellungen der Influencerin eine persuasive Intention, verfehlen Bilder ihre intendierte Wirkung. Die zweite Studie untersucht die Glaubwürdigkeitsbewertungen der Zielgruppe auf Basis des Source Credibility Models (Hovland, Janis, und Kelley 1953) und des Source Attractiveness Models (McGuire 1985). In einer experimentellen Online-Befragung wird ermittelt, welche Kommunikator-Typen (Influencerinnen mit vs. ohne fachliche Expertise) und Botschaftsappelle (rational vs. emotional) in Fahrradhelm-Kampagnen von den Rezipientinnen als glaubwürdig wahrgenommen werden. Die Untersuchung zeigt, dass die Probandinnen, ähnlich wie die Teilnehmerinnen der ersten Studie, die Glaubwürdigkeit aller Kommunikatorinnen geringer einschätzen, wenn sie einen Beeinflussungsversuch vermuten. Darüber hinaus wird deutlich, dass sie Expertinnen bei der Vermittlung von Fakten glaubwürdiger finden als die fachfremde Influencerin. Mithilfe des Persuasion Knowledge Models (Friestad und Wright 1994) wird angenommen, dass Rezipierende ihr Persuasionswissen besonders dann aktivieren, wenn sie keine intrinsische Motivation der Quelle erkennen. Die dritte Studie besteht aus zwei voneinander unabhängigen Online-Befragungen, die untersuchen, welche sozialen Normen junge Radfahrerinnen zur Helmnutzung bei Gleichaltrigen wahrnehmen und unter welchen Bedingungen diese Normen deren eigenes Verhalten im Straßenverkehr beeinflussen. Die erste Befragung zeigt, dass junge Radfahrerinnen sowohl die Helmtragequote weiblicher Gleichaltriger (deskriptive Norm) als auch deren Akzeptanz des Helmtragens (injunktive Norm) unterschätzen. Ganz im Sinne der Theory of Normative Social Behavior (Rimal und Real 2005) beeinflussen diese normativen Fehlwahrnehmungen die Helmnutzung. In Anlehnung an den Social Norms Approach (Perkins 2003) werden für die zweite Befragung Normappelle zur Förderung des Helmtragens abgeleitet. Die Befragten reagieren auf diese Normappelle überwiegend positiv mit Überraschung, Interesse und Zustimmung. Darauf aufbauend werden Strategien für normbasierte Kampagnen zur Förderung der Helmnutzung entwickelt. Im dritten Teil dieser Dissertation werden die methodische Herangehensweise sowie die inhaltlichen Ergebnisse diskutiert. In Hinblick auf die forschungsleitende Frage wird dabei deutlich, dass Influencerinnen das Potenzial haben, Präventionsbotschaften zur Helmnutzung erfolgreich jungen Radfahrerinnen zu vermitteln. Auf Basis der Erkenntnisse werden Handlungsempfehlungen für die inhaltliche und strategische Kampagnenkonzeption abgeleitet und weiterer Forschungsbedarf aufgezeigt. Abschließend werden an Influencer-Kampagnen anknüpfende Maßnahmen und Ansatzpunkte für ganzheitliche Strategien zur Förderung der Helmnutzung dargestellt.
